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Molbitz in alten Zeiten

Zwischen zwei Lösshügeln im Gerstenbachtal, kurz vor den Toren der tausendjährigen Stadt Altenburg, liegt Molbitz, der fünfte der Rositzer Ortsteile. Der Ort besteht aus den zwei benachbarten, heute zusammengewachsenen Teilen Ober- und Untermolbitz. Im 12. Jahrhundert trugen beide Ortsteile noch den gemeinsamen altsorbischen Namen Maluwiz. Zur besseren Unterscheidung bekamen sie um 1445 einen Namenszusatz. Obermolbitz wurde fortan „Mallewicz superior" und Untermolbitz als „Mallewicz inferior" bezeichnet. Wie auch in den benachbarten Ortslagen lockten die günstigen natürlichen Verhältnisse schon vor mehreren tausend Jahren Siedler in die Molbitzer Flur.

Molbitz Blick vom Gerstenbach
Molbitz Blick vom Gerstenbach

Steinzeitliche Bodenfunde
Steinzeitliche Funde

Nordwestlich zwischen Obermolbitz und Fichtenhainichen barg der Hang des Gerstenbaches eine ausgedehnte Siedlung von über 120 Wohnstätten aus der jungsteinzeitlichen Kultur. Hier lebten unsere Vorfahren in runden, einen Meter eingetieften Wohngruben. Sie hinterließen uns unzählige Steingeräte, darunter Messer und Beile, die sie für die Jagd in den angrenzenden Wäldern verwendeten. In jenen Wohnstätten, die zu den größten urzeitlichen Siedlungsfunden im Altenburger Land gehören, wurde zudem eine große Anzahl von Tongefäßen und Scherben gefunden.

Obermolbitz war im 15. Jahrhundert eine äußerst kleine Wohnsiedlung mit nur vier besetzten Höfen. Vierhundert Jahre später, im Jahr 1841, lebten in Obermolbitz 53 Einwohner in sieben Familien. Der Ort bestand aus zehn Wohngebäuden, darunter ein Handgut (kleinstes landwirtschaftliches Gut) und drei Großbauerngüter, so genannte Vierspanner. Zu einem Vierspannergut gehörten mehr als 60 Morgen Land (1 Morgen lag meist zwischen einem viertel und einem halben Hektar). Untermolbitz bestand im 15. Jahrhundert auch nur aus fünf besetzten Höfen. Jedoch entwickelte sich die Siedlung über die Jahrhunderte zu dem größeren der beiden Ortsteile. Bereits im Jahr 1841 lebten in dem „Sackgassendorf' 93 Einwohner in 15 Familien. Im Jahr 1880 waren es bereits 156 Einwohner in 17 Wohnstätten, darunter zehn Bauerngüter.

Der Hof Arnold
Der Hof Arnold um 1940

Im Gegensatz zu dem Großbauerndorf Obermolbitz dominierten in Untermolbitz Klein- und Mittelbauern. Es gab acht Pferde- und zwei Handgüter. Ober- und Untermolbitz gehörten zur Parochie (Kirchgemeinde) Zschernitzsch. Diese wiederum bildete mit den Parochien Oberlödla und Rasephas einen gemeinsamen Standesamtsbezirk mit Sitz in Untermolbitz. In Untermolbitz befand sich zudem eine Kirche mit dem Tauf- und Traurecht für beide Dörfer. In der im Jahr 1518 neu erbauten Kirche gab es Herrensitze für die drei Edelhöfe (Rittergüter) von Oberzetzscha, Rautenberg und Knau. Die Kirche war sehr klein und dunkel und bestand aus dem Schiff und dem rund abgeschlossenen Chor. An der Nordseite befand sich der Eingang zu einem runden Türmchen. Im Jahr 1831 war die Kirche allerdings so baufällig, dass sie abgerissen werden musste. Die beiden Glocken wurden verkauft und der Kirchplatz dem Zschernitzscher Schullehrer zur Nutzung überlassen. Noch heute wird dieser Platz (Wiese hinter dem Haus Nr. 70) manchmal als Kirchwiese bezeichnet. Der Gottesdienst für die Ober- und Untermolbitzer Bürger wurde von da an in der Mutterkirche in Zschernitzsch gehalten. Auch die Schulkinder besuchten die Schule in Zschernitzsch. Im Sommer wie im Winter mussten sie ihren Schulweg zu Fuß zurücklegen.

die Altenburger Kohlenwerke
Luftaufnahme der Altenburger Kohlenwerke

Auf Obermolbitzer Flur existierten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts drei Braunkohlengruben. Die bekannteste war die Annagrube, die über viele Jahre eine reiche Ausbeute an Kohle erbrachte. Sie befand sich auf der südlichen Anhöhe zwischen Molbitz und Oberlödla. In Untermolbitz wurde die Grube Nr. 20 schon um das Jahr 1870 von den Pächtern A. Taubert und M. Burkhardt betrieben. Sie wurde 1890 von einer Leipziger Firma angekauft, später mit einer Brikettfabrik ausgestattet und ging danach in die Hände eines Altenburger Konsortiums über. Unter der Bezeichnung „Altenburger Kohlenwerke GmbH" Untermolbitz wurde diese im Jahr 1905 durch die „Rositzer Braunkohlenwerke AG" aufgekauft. Nach dem 1. Weltkrieg erreichte der Braunkohlenbergbau seinen Höhepunkt.

Untermolbitz verwandelte sich binnen weniger Jahre in ein Bergarbeiterdorf. Ein großer Teil der Molbitzer Bürger fand durch die Braunkohle Lohn und Brot. Die Teich- und Ostsiedlung wurden als Wohnstätten für Bergleute errichtet. Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts begannen die Kohlenwerke mit dem Bau einer neuen und leistungsfähigeren Brikettfabrik. Im Jahr 1932, nachdem die Grube „Neue Sorge" ausgekohlt war, wurden die Altenburger Kohlenwerke und die DEA Mineralölwerke mit einer Seilbahn verbunden, um deren Kesselhausbekohlung weiterhin zu gewährleisten. Nach mehr als einem dreiviertel Jahrhundert stellten die Altenburger Kohlenwerke Anfang der 60er Jahre ihre Produktion ein. Durch den Bergbau zog es auch ein paar wenige Handwerker nach Untermolbitz. Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts fertigte die Stellmacherfamilie Peitsch (Haus Nr. 63) Wagenräder und der Schuhmacher Louis Nebel (Haus alte Nr. 15) Schuhe für die Dorfbewohner. Noch vor der Jahrhundertwende öffnete ein kleiner Kolonial- und Materialwarenladen von Hermann Eichhorn (Haus alte Nr. 19) mit Waren des täglichen Bedarfs.

Ende der 20er Jahre wurde das Angebot durch die Bäckerei Rudolf Frank (Haus Nr. 71) noch erweitert. Untermolbitz, besonders aber der Gasthof, war schon immer der kulturelle Mittelpunkt der umliegenden kleinen Ortschaften. Im Jahr 1779 wurde das „Schenkgut" am damaligen „Luckaischen Fußsteig" von Hannß Winkler errichtet. Hier wurden rauschende Feste gefeiert. Auftritte des Männergesangsvereins Oberzetzscha, der Jazzband und des Bandoniumorchesters aus Rositz sorgten für ein volles Haus. Auch die ansässigen Vereine, die Bogenschützengesellschaft, der Turnverein und der Militärverein hatten ihr Domizil im Gasthof.

Dampflock vor dem Molbitzer Gasthof
Dampflock vor dem Molbitzer Gasthof

Der Molbitzer Dorfkonsum
Der Molbitzer Dorfkonsum

Durch die Nähe zu den DEA Mineralölwerken litt Molbitz neben Schelditz und Fichtenhainichen am stärksten unter den Bombardierungen im 2. Weltkrieg. Auf den Höhen rings um Ober- und Untermolbitz stationierte sich die Luftabwehr. Bereits im Oktober 1940 detonierte die erste angloamerikanische Fliegerbombe in Obermolbitz. Der schwerste Luftangriff für beide Dörfer war der vom 14. 2.1945. Um 21.00 Uhr begannen die feindlichen Flieger mit dem Abwurf ihrer Unheil bringenden Bombenlast. Zirka 320 Sprengbomben und Luftminen gingen über beide Ortsteile nieder. Die Menschen suchten im Luftschutzraum des Tiefbauschachtes der Altenburger Kohlenwerke Zuflucht. Dennoch mussten 14 Molbitzer in dieser Schreckensnacht, in der kein Haus im Ort verschont blieb, ihr Leben lassen. Die Fensterscheiben waren zersplittert, die Dächer abgedeckt und die Stromleitungen hingen herunter. In dem vom beißenden Geruch des toten Viehs durchzogenen Dorf reihte sich Bombentrichter an Bombentrichter. Nach dem Ende des Krieges begannen die Molbitzer die Kriegsschäden zu beseitigen, um das Leben wieder lebenswert zu gestalten. Im November 1945 wurde im Gasthof schon wieder das Tanzbein geschwungen.

Die neue Gesellschaftsordnung, der „Sozialismus", veränderte das Leben und das Gesicht des Dorfes. Seit 1950 führten beide Orte den neuen gemeinsamen Namen Molbitz. Die BSG „Aktivist" wird gegründet und im Jahr 1956 begann man mit dem Bau eines staatlichen Kindergartens. Aus dem Kolonialwarengeschäft von Max Große wurde die Konsumverkaufsstelle, welche auf Grund der zu kleinen Räumlichkeiten im Jahr 1965 in den leer stehenden Gasthof Untermolbitz umzog. In den 60er Jahren zwang man auch die Molbitzer Bauern in die LPG „Einigkeit". Anfang der 70er Jahre schufen die Einwohner in mehreren tausend freiwilligen Arbeitsstunden aus Gebäuden der stillgelegten Kohlenwerke ein Gemeindezentrum, eine Gaststätte mit Saal und eine Kegelbahn. Leider wurde mit dem Ende der Kohlenwerke auch das Ende des Molbitzer Dorfteiches besiegelt. Der Teich trocknete aus, nachdem die Kohlenwerke ihre Wasserzufuhr einstellten. Mehrere Jahrzehnte, vielleicht auch Jahrhunderte, war er Mittelpunkt und prägte das Ortsbild von Untermolbitz. Im Jahr 1973 wurde Molbitz in die Gemeinde Rositz eingegliedert.

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