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Rositz zu Herzogs Zeiten (1181-1918)

Rositz, in Altenburger Mundart einfach „Ruhstz", war ursprünglich ein kleines Bauerndorf im Ostkreis des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Altenburg und entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der größten Industriegemeinden Ostthüringens. In der Kirchengalerie des Herzogtums Sachsen-Altenburg 1840-1849 steht geschrieben: „Rositz liegt 1 1/4 Stunde nordwestlich von Altenburg, eben soweit von Meuselwitz, an der Poststraße nach Zeitz, an einem kleinen Bache, der bei Obermolbitz in die Gerstenbach fällt, in einer fruchtbaren Gegend."

Die gesamte Gemarkung von Rositz bildet eine der an archäologischen Funden reichsten Gegenden um Altenburg. Viele Siedlungsfunde, besonders in den Nachbarorten, sprechen für ein frühes Leben schon vor vielen tausend Jahren. Als Gründer und Namensgeber gilt der westslawische Volksstamm der Sorben. So ist Rositz im Altsorbischen als ein Ort der Leute eines Rod(e)s zu deuten.

Steinzeitliche Bodenfunde
Steinzeitliche Bodenfunde

Urkunde von 1273
Urkunde von 1273

Die urkundliche Ersterwähnung von Rositz geht in das Jahr 1181 zurück. Im einstigen Kloster Bosau bei Zeitz befand sich eine Urkunde (Zehntverzeichnis), in welcher die Abgabepflicht der umliegenden Bauern dokumentiert war. Diese Urkunde über den Kirchenzent (Kirchensteuer) reichte von 1181 bis 1214 und enthielt auch den Eintrag der Abgabepflicht von 12 Bauern aus Rosiz (Rositz). Im frühen Mittelalter hatte ein pleißnisches Adelsgeschlecht ihren Sitz in Rositz, das zur damaligen Zeit noch unterschiedlich bezeichnet wurde. So fand man Dokumente mit der Bezeichnung Rodesicz oder auch Rossediz. Ihr Freigut (Rittergut) befand sich im heutigen Ortszentrum unterhalb der evangelischen Kirche. Von dem nach dem Ort benannten Geschlecht ist im Jahr 1215 erstmals von einem Hermann von Rodesicz als Zeuge in einer burggräflichen altenburgischen Urkunde die Rede.

Höchstwahrscheinlich ist das Geschlecht schon im 14. Jahrhundert ausgestorben. Die Herren von Rositz besaßen eine kleine Kapelle, die sich an ihre Besitzungen anschloss. Aus dieser entstand Ende des 14. Jahrhunderts in unmittelbarer Nähe die erste Kirche. Diese wurde 1516 samt dem Turm abgerissen und die heutige Kirche im spätgotischen Stil erbaut. Die Einwohnerzahl belief sich im 16. Jahrhundert auf 100 Seelen, umso beachtlicher, dass neben dem Kirchenneubau auch der Gasthof und ein Schulunterricht erstmals erwähnt wurden. Im Jahr 1691 wurde gegen den Widerstand der Kirche ein neues Schulhaus errichtet. Es befand sich im Ortszentrum südlich, unmittelbar neben der evangelischen Kirche. In diesem Jahrhundert gesellten sich in den Dörfern des Altenburger Landes zu dem Bauernstand ganz allmählich auch die Handwerkszünfte. Man schrieb erstmals über das Handwerk in Rositz und erwähnte einen Schuhmacher, den Schmied und das seltenere Handwerk eines Glasers.

Historisches Klassenzimmer
Historisches Klassenzimmer

Napoleonische Truppen
Napoleonische Truppen in Sachsen

Über die Jahrhunderte wurden vom deutschen und europäischen Adel immer wieder Kriege auf sächsischem Boden geführt. Mit ihnen kamen nur Elend, Armut und schlimme Seuchen in die Dörfer des Altenburger Landes. Besonders in der Zeit des 30-jährigen Krieges von 1618 bis 1648, mit den Durchmärschen und Einquartierungen fremder Soldaten, brannten auch in Rositz die Höfe und das Volk litt unter einer Hungersnot. Mit dem Krieg folgte „der schwarze Tod" - die Pest - und forderte weitere Todesopfer.

Aber auch der Napoleonische Krieg von 1803 bis 1813, mit der abschließenden Völkerschlacht bei Leipzig, traf Rositz besonders hart. Am 28. 9. 1813 kam es bei Oberlödla zu einem größeren Gefecht zwischen russisch-österreichischen und französischen Korps. Der Rückzug der Franzosen und die Verfolgung durch die Kosaken betraf unmittelbar Rositz. In weiser Voraussicht aber hatten die Einwohner Kinder und Vieh schon in Sicherheit gebracht und konnten so noch größeres Unheil verhindern.

Bereits im Jahr 1672 entdeckte der Altenburger Stadtphysikus Dr. Matthias Zacharias Pilling nordwestlich von Rositz, an der heutigen B 180, „brennende Erde". Doch die erste Braunkohlengewinnung blieb ohne wirtschaftliche Bedeutung und wurde 1675 bereits wieder eingestellt. Selbst im 18. Jahrhundert wurde der Abbau der Braunkohlenflöze nur zögernd mit vielen Schwierigkeiten und Rückschlägen betrieben. Die Entwicklung stagnierte, es fehlte an Abnehmern. Die Haushalte verwendeten Holz als Brennmaterial und eine Industrie gab es noch nicht. Der Aufschwung des Bergbaues im Meuselwitz-Rositzer Revier begann erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Grube 113 in  Rositz
Die Rositzer Braunkohlenwerke

Anfänglich waren es meist Bauern, die als Nebenbetrieb eine kleine Grube führten. Später verkauften sie ihre Felder an die neuen Grubenbesitzer oder erzielten beachtliche Gewinne durch den unterirdischen Kohleabbau. Die bedeutendste Rositzer Grube begann im Mai 1874 mit der Kohleförderung. Sie erhielt vom herzoglichen Berginspektor die Nummer 113. Schon im Juni kam es zum Verkauf der „Consortialgrube Nr. 113" und zur Gründung der Aktiengesellschaft „Rositzer Braunkohlenwerke". Im Jahr 1875 wurde der Sitz der Aktiengesellschaft von Berlin nach Rositz verlegt. Im gleichen Jahr konnte die erste Brikettpresse angefahren werden.

Bahnhof Rositz
1872 eingeweihtes Bahnhofsgebäude

In den Anfangsjahren wurde die Kohle noch mit Pferdegeschirren zu den Bahnhöfen nach Altenburg, Zeitz oder Gößnitz gefahren. Ein Zustand, welcher der industriellen Entwicklung im hiesigen Bergbaurevier entgegenstand. So kam es zum Bau der Eisenbahnlinie Altenburg-Zeitz mit dem Bahnhof Rositz. Diese Bahnverbindung wurde, gegen den Widerstand einiger um ihre Existenz fürchtenden Fuhrleute und Bauern, am 18. Juni 1872 eingeweiht. Nunmehr verkehrten täglich drei Züge auf dieser Strecke, die sich zum größten Teil aus Kohlenwagen zusammensetzten. Der Anschluss an das öffentliche Eisenbahnnetz begünstigte die weitere industrielle Entwicklung der gesamten Region.

Im gleichen Jahr kam es zur Gründung der Rositzer Rübenzuckerfabrik. Als Standort wählte man die Flurgrenze zum Nachbarort Zechau. Hier wurde aus weißen Runkelrüben Roh- und Weißzucker hergestellt. Doch bereits im April 1874, nur zwei Jahre nach der Firmengründung, meldete die Presse die Zahlungsunfähigkeit der Aktiengesellschaft. Nach dem Konkurs trat im Jahr 1882 an die Stelle der alten Rübenzuckerfabrik eine moderne Zuckerraffinerie, in der nach der Jahrhundertwende über 800 Menschen in Lohn und Brot standen. Die Rositzer Raffinerie war die erste deutsche Industrieanlage, die über ein elektrisches Beleuchtungssystem verfügte.

die Rositzer Zuckerraffinerie
Die Rositzer Zuckerraffinerie

Am 3. September 1911 kam es bei den Rositzer Braunkohlenwerken zur Katastrophe, die Brikettfabrik der Grube 113 brannte völlig nieder. Aber schon ein Jahr später ging eine neue Brikettfabrik in Betrieb. Sie befand sich neben der Bahnlinie am Kommunikationsweg Rositz-Kröbern. Die für die stetig wachsende Industrie benötigten Arbeitskräfte konnten nicht mehr allein von der ansässigen Bevölkerung gestellt werden. So zog es auch immer mehr arbeitssuchende Menschen nach Rositz. Mit den Zugewanderten schoss natürlich auch die Bevölkerungszahl in die Höhe. Im Jahr 1864 zählte Rositz 210 Einwohner, 46 Jahre später bereits 1632. Als Folge begann in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts ein regelrechter „Bauboom", der Rositz zu einer so genannten Landstadt machte. Ein Wohnhaus folgte dem anderen, ganze Straßenzüge wurden in Kürze errichtet.

 Die Rositzer alte Schule
Die alte Schule
(Bildquelle unbekannt)

Die gestiegenen Schülerzahlen machten ferner einen Schulneubau dringend notwendig. Am 23. Mai des Jahres 1880 wurde die neue Schule (heute westlicher Teil der Grundschule) auf dem Kellerberg für 235 Schüler aus den Dörfern Rositz, Gorma, Fichtenhainichen, Schelditz und Neubraunshain eingeweiht. Da sich die Schülerzahl im Jahr 1898 bereits schon wieder verdoppelt hatte, wurde im Oktober 1898 ein weiteres Schulgebäude direkt neben dem bereits existierenden Schulhaus erbaut.

In Rositz bildete sich eine starke katholische Glaubensgemeinschaft, denn der größte Teil der zugewanderten Bayern und Polen war katholischen Glaubens. Deren Drang nach einem eigenen Andachtsort war natürlich verständlich. So erwarb die Kirchgemeinde vom Gutsbesitzer Saupe ein größeres Grundstück an der Zeitzer Chaussee und begann im Jahr 1901 mit dem Bau einer Kirche. Am 20. 5. 1902 wurde das Gotteshaus mit integrierter Schule feierlich eingeweiht.

Bereits 1892 wurde das neue Postgebäude fertig gestellt. Seit 1874, dem Jahr der Einrichtung des Postbetriebes in Rositz, befand sich das kaiserliche Postamt im Bahnhofsgebäude. Die drei Landbriefträger beförderten die Postsachen zu Fuß und später mit dem Rad bis nach Oberzetzscha und Zschernitzsch. Durch den starken Anstieg der Bevölkerung erlebten nicht nur Industrie und Bauhandwerk einen Aufschwung, auch die Vereinstätigkeit entwickelte sich zu einer tragenden Säule des Lebens. Alle Volksschichten fanden in den Vereinen ein Feld, sich aktiv zu betätigen.

Das Rositzer Postamt
Das Rositzer Postamt
(Bildquelle unbekannt)

Zuerst kam es jedoch nur zur Gründung mehrerer bürgerlicher Vereine. Der Gesangsverein, die Gesellschaft „Grüne Laube", der Militärverein und der Radfahrer-Klub gehörten zu den ersten Rositzer Vereinen, die aber erst Ende der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts gegründet wurden. Die durch zahlreiche Streiks verbesserten Lebensbedingungen der Arbeiter, „10 Arbeitsstunden täglich und keine Sonntagsarbeit", machten die Vereinsgründungen im Arbeiterbereich erst möglich. Bis 1891 waren sozialdemokratische Organisationen verboten. So wurde unter anderem der Sozialdemokratische Verein, der Arbeiter-Turnklub, der Arbeiter-Gesangsverein und Arbeiter-Radfahrerklub für Rositz und Umgebung gegründet.

Das Kriegsdenkmal an der alten Schule
Kriegsdenkmal

Im Jahr 1911 öffnete ein weiterer Neubau seine Türen, die Rositzer Metropol-Lichtspiele. Das von Alfred König gegründete Kino gehörte zu den ersten Kinematographentheatern im Herzogtum. Im Jahr 1914 kam der Aufschwung durch den 1. Weltkrieg zum Erliegen. In diesem Krieg haben 1,8 Millionen deutsche Soldaten ihr Leben auf dem Schlachtfeld für Kaiser und Vaterland gelassen. Darunter auch über 170 Einwohner aus Rositz, Gorma, Fichtenhainichen und Schelditz. Zum Gedenken an die gefallenen Soldaten ließ man Ehrendenkmäler errichten.

In den Kriegsjahren diente der Gasthof Rositz als Lager für belgische und französische Gefangene. Sie wurden für den Aufbau der DEA-Mineralölwerke eingesetzt. Das Werk sollte Teer zu Heiz- und Treiböl für die Kriegsmarine verarbeiten. Es befand sich zum größten Teil auf Fichtenhainichener Flur. Die Revolution im November 1918 zwang Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg als letzten der deutschen Monarchen die Regierung niederzulegen. Die junge Weimarer Republik löste das Deutsche Kaiserreich ab und das frühere Herzogtum wurde zum eigenständigen Freistaat Sachsen-Altenburg. Der neue Freistaat gliederte sich in den Stadtkreis Altenburg und drei Verwaltungsbezirke. Rositz wurde dem Verwaltungsbezirk Meuselwitz zugeordnet.

Der Rositzer Gasthof 1942
Der Rositzer Gasthof 1942
(Bildquelle unbekannt)



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