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Schelditz in alten Zeiten

In der Kirchengalerie des Herzogtums Sachsen-Altenburg 1840-1849 steht geschrieben: „Schelditz, ziemlich eine Stunde nordwestlich von Altenburg, links ab von der nach Zeitz führenden Chaussee, in einem freundlichen Tale an dem Gerstenbache gelegen, über welchen hier eine bei der Chaussee-Anlage ganz neu gebaute steinerne Brücke führt." Der kleine Gerstenbach entspringt an der westlichen Grenze des Altenburger Landes bei Großbraunshain. Auch im Nordwesten der Gemarkung Schelditz fand man Zeugnisse urgeschichtlicher Besiedlung, welche bis zum Jahr 3000 v. Chr. zurückreichen.

Schelditz Gemälde vom Hof Noritzsch
Gemälde des Vierseithofes Noritzsch

Der westslawische Volksstamm der Sorben, der auch diesem Ort seinen Namen gab, besiedelte das Gebiet erst viele Jahre später, etwa 800 n. Chr. Die Sorben errichteten ihre Höfe um einen runden Platz am linken Unterhang des Gerstenbaches. Die für diese Zeit typische Dorfform wird als Rundling bezeichnet. Ort der Dienstleute und des Gesindes, so ist der Name Schelditz im Altsorbischen zu deuten. Wie Rositz und Gorma wurde die kleine Ortschaft bereits 1181 im Zehntverzeichnis des Klosters Bosau erstmals urkundlich erwähnt und zwar noch unter dem Namen Scelditz.

Die alte Wassermühle in Schelditz
Wassermühle in Schelditz

Im Jahr 1210 las man erstmals von dem Reichs-Ministerial Gerard von Sceldiz. 72 Jahre später verkaufte ein Conrad von Selczicz seine Besitzungen an das Deutsche Ordenshaus zu Altenburg. Beide gehörten zu einer pleißischen Adelsfamilie, die sich auf diesem fruchtbaren Boden niederließ und deren Geschlecht den Namen des Ortes führte. Die unterschiedliche Schreibweise ist typisch für die damalige Zeit. Orts-, aber auch Familiennamen änderten sich in ihrer Formulierung sehr häufig.

Im Jahr 1583 lebten die 60 Schelditzer Einwohner auf sechs Bauernhöfen, in einem Hirtenhaus sowie der Mühle. Bereits seit dem Jahr 1230 besaß der Ort eine Wassermühle (heute Talstraße Nr. 14), die mit dem Wasser des Gerstenbaches betrieben wurde. Neben der Wassermühle hatte Schelditz im 19. Jahrhundert auch eine Windmühle. Diese wurde von Paul Penndorf im Jahr 1844 auf dem höchstgelegenen Punkt der Gemarkung Schelditz errichtet (heute zwischen Schelditz und Oberlödla, links ab der B 180) und hatte bis zur Jahrhundertwende Bestand.

Das größte der Schelditzer Bauerngehöfte war im 16. Jahrhundert das Freigut (Seitengebäude, heute Talstraße Nr. 5), welches entgegen den anderen Höfen nicht mit Frondiensten belastet war. Seit dem Jahr 1594 gehörte es dem kurfürstlichen Rittmeister zu Dresden, Tilo von Osterhausen. Derer von Stange zu Oberlödla waren seit 1676 die Herren auf dem Freigut. Friedrich Wilhelm von Stange, Schlosshauptmann zu Altenburg, verkaufte das Gut im Jahr 1724 an den aus Kriebitzsch stammenden Georg Zetzsche. Der Freigutsbesitzer Hermann Zetzsche errichtete in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts eine Ziegelei, die er später an die neu erbaute Zeitzer Chaussee verlegte. Im Jahr 1882 verkaufte er die Ziegelei an den Zechauer Einwohner Albin Taubert. Dessen Sohn Max stellte den Betrieb nach 56 Jahren ein und verlegte die Anlage in das 4 km entfernte Tegkwitz.

Gasthof Schelditz, der''Ochse''
Gasthof Schelditz, der''Ochse''
im Hintergrund
die Ziegelei Taubert

Das Grundstück mit all seinen Gebäuden wurde an die DEA-Mineralölwerke verkauft. Für sein neu errichtetes Wohnhaus (heute Altenburger Straße Nr. 68) neben der alten Ziegelei erhielt Julius Penndorf im Jahr 1871 die Konzession einer beschränkten Schank- und Speisewirtschaft, der spätere Gasthof Schelditz. Um das Jahr 1903 kam Albin Vogel vom nahe gelegenen Pähnitz nach Schelditz und kaufte die „Benndorfsche Restauration". Aus dieser Zeit stammt auch die volkstümliche Bezeichnung des Gasthofes „Der Ochse", die auf den damaligen Gastwirt zurückzuführen war. Wer aber nun von beiden Wirten der „Ochse" gewesen ist, wurde nicht bekannt. Zur Ratssitzung im Dezember 1920 herrschte helle Aufregung bei den Schelditzer Räten: die Gemeinde Gorma beantragte, die Verschmelzung der vier Altgemeinden.

Die Ziegelei Taubert
Die Ziegelei Taubert

Neben der starken Reduzierung der Verwaltungskosten vertraten die Befürworter die Meinung, dass der räumliche und wirtschaftliche Zusammenhang bereits gegeben sei. Allein durch die DEA-Mineralölwerke waren die Orte Schelditz, Fichtenhainichen und Rositz ohnehin schon miteinander verbunden. Die vier Gemeinden bildeten längst schon eine einheitliche Kirch- und Schulgemeinde. Die Schelditzer Gemeindeversammlung entschied sich dennoch gegen eine Zusammenlegung. Gründe für die ablehnende Haltung waren die vermutete Gefahr neuer Lasten und egoistische Gesichtspunkte.

Bei der sozialdemokratischen Landesregierung fanden die Proteste jedoch kein Gehör, sodass die neue Gemeinde Rositz das Amt zur Verwaltung aller vier Altgemeinden übernahm. Durch den Wahlerfolg des rechtsgerichteten „Thüringer Ordnungsbundes" kam es zu einem Machtwechsel in Thüringen. Ministerpräsident Richard Leutheußen (Deutsche Volkspartei) ließ alle Zusammenschlüsse seines Vorgängers überprüfen. Im Ergebnis der Prüfung wurde Schelditz am 1.8.1924 wieder zur eigenständigen Gemeinde.

Am 23. 2.1934 erfolgte der symbolische Spatenstich für das neue Freibad. Es wurde zwar auf Schelditzer Flur errichtet, doch der Bauherr war die Gemeinde Rositz. Die Idee für den Bau stammte jedoch nicht vom Bürgermeister Reißenweber, sondern von den Rositzer Sozialdemokraten. Diese hatten schon in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts Pläne für den Bau eines Bades. Doch warum sie die Pläne nicht umsetzten konnten, lässt sich aus heutiger Sicht nur vermuten. Schuld waren wohl die großen finanziellen Nöte, auf Grund derer im Jahr 1925 auch der Neubau der Rositzer Schule für vier Monate ruhte.

Das Rositzer Freibad 1934
das Freibad in Schelditz 1934

Gebaut wurde das neue Bad südwestlich der Mühle in die Schlinge des Gerstenbaches, dessen Wasser man auch für die Speisung des Bades verwendete. Am 6. Juni 1934 wurde das Freibad eröffnet. In den ersten sechs Wochen nach der Fertigstellung erfreuten sich über 27 000 Besucher an dem 50 mal 20 Meter großen Becken. Besonderer Anziehungspunkt war der hölzerne Sprungturm mit der 5-Meter-Plattform. Der Eintritt lag für Kinder und Erwerbslose bei 5 Pfennigen, Erwachsene zahlten 10 Pfennige.

Schelditz nach dem Bombenangriff 1945
Schelditz nach
dem Bombenangriff 1945

Die Zeit des 2. Weltkrieges zählt auch für Schelditz zu den schwarzen Kapiteln in der langen Geschichte des Ortes. Er brachte viel Leid, Elend und Not auch über die Schelditzer Bürger. Schon 1944 waren die DEA Mineralölwerke immer wieder das Ziel der alliierten Luftwaffe. Bereits der erste Angriff am 16. August 1944 vernichtete ca. 70 Prozent der Werkanlagen. Zur Behebung der Schäden wurden größtenteils Zwangsarbeiter eingesetzt. In und um Rositz wurden acht Zwangsarbeiterlager errichtet. Das größte dieser Arbeitslager befand sich in der Ortslage Schelditz (heute altes Autohaus bis Ortsausgang). Es unterstand offiziell der Organisation Todt. Die Häftlinge wurden von der Gestapo, holländischer SS und älterem Wachpersonal beaufsichtigt.

Die ca. 800 Insassen wurden zu schwerster körperlicher Arbeit in der DEA eingesetzt. Auf Grund der Nähe zur DEA litt auch der Ort Schelditz besonders unter den Bombenangriffen. Immer wieder, wenn die Sirenen heulten, suchten die Schelditzer im Luftschutzbunker „Pflaumenberg" eine Zuflucht. Der verheerendste Luftangriff für Schelditz war der vom 14. Februar 1945. 4413 Bomben wurden von den angloamerikanischen Fliegern über der DEA abgeworfen. Das Werk brannte lichterloh, der Himmel färbte sich leuchtend rot und die schwarzen Rauchwolken erfassten die angrenzenden Ortschaften. Das Freibad, viele der Bauerngüter und Häuser wurden stark beschädigt, das Freigut, bis auf ein Nebengebäude, völlig zerstört. 18 Menschen fanden hier den Tod. Auch das benachbarte Gut Quaas (heutige Talstraße 1), 1931 von Bruno Markscheffel ersteigert, wurde stark in Mitleidenschaft gezogen; Wohnhaus und Scheune waren zerstört, der Kuhstall wurde dem Erdboden gleich gemacht.

Nach dem Krieg musste auch das Leben in Schelditz weitergehen. Die vielen Bombentrichter wurden verfüllt und die Häuser erst einmal notdürftig instand gesetzt. Im Jahr 1946 begann man mit der Verlegung der Hauptstraße und des Gerstenbaches. Die Gartenanlage Pflaumenberg wurde gegründet und das Freibad Schelditz wieder aufgebaut. Durch die Gemeindereform im Landkreis wurde die Gemeinde Schelditz am 5. Juli 1950 nunmehr endgültig nach Rositz eingemeindet.

das Schelditzer Neubaugebiet um 1962
Das Schelditzer Neubaugebiet um 1962

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